Büchel-Tagebuch

Aktivist*innen berichten über die Highlights in Büchel.

10. Juli

Der Morgen startete wie immer mit dem gemeinsamen Plenum. Anschließend teilten sich die Teilnehmer*innen des Camps auf die Workshops auf. Im Workshop „Airbase Ramstein“ beschrieb Lisann Drews die Rolle der US-amerikanischen Airbase in der weltweiten Vorbereitung und Durchführung von Angriffskriegen. Weitere Workshops beschäftigten sich mit dem Atomwaffenverbot im Völkerrecht, dem Mythos der Sicherheit durch Abschreckung oder der Verbindung von ziviler und militärischer Nutzung der Atomenergie. Nach einem tollen veganen Essen von MobKit brachen die Friedensaktivist*innen zu einer Stützpunktwanderung auf vom Dorf Büchel rund um den Fliegerhorst entlang des Zauns. Anschließend stärkten sich die Teilnehmer*innen mit Kaffee und Kuchen, bevor ein nächster Höhepunkt folgte: Die Premiere des Theaterstücks „We claim your space!“ von Sachiko Hara in Zusammenarbeit mit einer Theatergruppe der Universität der Künste (UdK) Berlin. Die Studierenden hatten eine fliegende Bühne konstruriert und in einem mehrtägigen Prozess mit den Aktivist*innen ein Theaterstück zu den Atombombenabwürfen auf Japan einstudiert. Ein bewegendes kreatives Bühnenstück über die humanitären Folgen der schrecklichsten aller Massenvernichtungswaffen. Abends stieg dann die mit Spannung erwartete Konzert der Nuke Girls. Der strömende Regen konnte die Begeisterung der Zuhörer*innen nicht bremsen. Lauthals sangen sie mit: „Raus aus Büchel, packt die Bomben ein. Bye-Bye Nukleare Schweinerei“. Bis tief in die Nacht wurde anschließend noch gefeiert und getanzt.

Abschluss der gemeinsamen Wanderung

9. Juli

Der heutige Tag ist geprägt von kreativer Aktion. Am Vormittag blockierten Aktionsgruppen  die Tore des Fliegerhorsts mit Sitzblockaden. An einem Tor wird sogar Lachyoga gemacht bis der Regen kommt. Der Nachmittag und Abend ist gefüllt mit Theaterproben und Performances. Die Schauspielenden singen mal alte Bewegungslieder, mal krümmen sie sich als von Strahlung zerfresse Zellen, mal berichten sie von den nuklearen Zuständen in ihren Heimatländern: von Indien über China, Südkorea, Portugal oder Frankreich bis in die USA ist einiges dabei. Am Abend stellen Performer*innen in satirischen Kostümen vom Floßschwimmer bis zum Wikinger die Krisen der Welt von Hochwasser bis Geldgier dar. Doch solange wir uns leider nicht wie diese Kreaturen im Theaterstück mit Kuchenformen und Plastikwikingerhüten vor dem nuklearen Fallout schützen können, protestieren wir wohl weiter in Büchel.

8. Juli

An diesem Tag regnete es in Strömen. Schnell war der Campingplatz aufgeweicht. Gut, dass wir die Workshops unter den großen Zelten abhalten konnten. Moritz Kütt, der zu Verifikationsmechanismen für nukleare Abrüstung forscht, erklärte in seinem Workshop welche technischen, rechtlichen und politischen Vorbedingungen für einen Beitritt Deutschlands zum UN-Vertrag für ein Verbot von Atomwaffen notwendig wären. Außerdem schauten sich die Teilnehmer*innen an, welche Parteien in ihren Wahlprogrammen den Verbotsvertrag unterstützen. Weitere Workshops beschäftigten sich mit der ersten Staatenkonferenz zum Verbotsvertrag im Januar in Wien, der nuklearen Abschreckung oder der nuklearen Proliferation.

Aktivist*innen trotzen dem Regen. Foto: Regine Ratke

Nach dem Mittagessen probte die Theatergruppe weiter und es gab ein geselliges Beisammensein. Am Abend ließ der Regen dann zum Glück nach und wir konnten gemeinsam einen Film über den Widerstand in Büchel anschauen. Die Mischung aus Dokumentation der bisherigen Protestaktionen, Statements von Aktivist*innen und Musik hat mich sehr berührt und motiviert. Es gab jede Menge Applaus.

7. Juli 2021

Ein besonderer Tag im Camp: schon um Mitternacht gibt es ein kleines Ständchen für drei Aktivisten, die ihren Geburtstag hier mit uns verbringen. Sie teilen ihre Feier mit dem Jahrestag des Atomwaffenverbotsvertrag (AVV), der heute vor 4 Jahren, am 07.07.2017 von 122 Nationen in der UN Vollversammlung beschlossen wurde. Am Nachmittag feiern wir daher mit Kuchen und einer Performance von der Künstlerin Sachiko Hara und Studierenden der Berliner Hochschule der Künste. Bei der Performance, krümmen, kriechen und stacksen die Künstlerin und Camp Teilnehmer:innen vor der eigens am Vormittag in nuklearem-Gelb errichteten Bühne, um die körperlichen Konsequenzen einer Atombombenexplosion zu illustrieren. Während die fleißigen Performer:innen am Vormittag bauten und probten, übten sich Aktivist:innen in der Kunst der Konsensfindung und  diskutieren gewaltfreien zivilen Ungehorsam, währen sich künstlerische Camp Teilnehmende bei Bastel- und Malaktionen mit Frieden beschäftigten. Nur einen Steinwurf weit vom Camp entfernt, direkt am Haupttor des Luftwaffenstützpunkts, wurde indessen ein kleiner Kaffeekranz ausgerichtet. Dort begegnen sich bei AVV-Geburtstagkuchen Friedensaktivist*innen und Soldat*innen. Der Kommandant der Airbase, Oberst Schneider ist mit einem kleinen Team gekommen – man setzt sich miteinander auseinander. Auch untereinander wird sich ausgetauscht, am Abend erzählen alte-Hasen und Neudazugekommene Geschichten aus dem antinuklearen Aktivismus. Ermutigende Reden befeuern die Bewegung. Auch internationale Gäste sind gekommen, aus den Niederlanden und Belgien erzählen sie von europäischen Abrüstungsbestrebungen. Der Tag endet mit einem besonderen Highlight: die Aktivist:innenband „Nuke Girls“ führt eigens getextete Stücke für nukleare Abrüstung zu Melodien von Abba und Britney Spears auf. Wer sagt, dass ernste Themen keinen Spaß machen können? Stören wir die Nachbarn hinter dem Stacheldrahtzaun? Na hoffentlich! – Ruth Rohde

Übungen für die Theaterperformance in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin. Foto: Regine Ratke

6. Juli 2021

Früh um halb zehn ging es endlich los- die Fahrradsternfahrt trat den letzten Abschnitt ihrer Reise von Koblenz nach Büchel an. Der anfängliche Sturzregen oder der steile Anstieg zum Fliegerhorst konnten den Radelnden den Mut nicht nehmen und so kamen sie pünktlich und gut gelaunt im Demozug am Camp an. Dort überwog die Freude über den Erfolg vieler, die das diesjährige Camp in seiner geplanten Form ermöglicht haben. Nach der ersten köstlichen Stärkung der Campküche ging es für die Teilnehmenden dann auch sofort mit einem großartigen Konzert vom argentinischen Künstler Pablo Miro weiter. Am Ende dieses aufregenden ersten Tages feierten dann noch einige Hartgesottene in den Geburtstag des Atomwaffenverbotsvertrages hinein. Wie immer war das Gefühl, endlich wieder an diesem Ort zu sein, überwältigend und die Vorfreude auf eine Woche voller Aktionen, Austausch und Kreativität riesig. -Clara Sonneborn

Ankunft der Fahrraddemonstrant:innen. Foto:Lara-Maire Krausse