Alexej Silenko

Alexej (21) studiert Humanmedizin und Sonographie in Homburg. Für ihn ist Büchel ein Ort des Austauschs, der Inspiration und des konkreten politischen Handelns an Ort und Stelle.

Interview mit Alexej Silenko

Warum engagierst du dich für nukleare Abrüstung?

Erstens: In meinen Augen wie auch in den Augen vieler Generationen von Mitmenschen auf diesem Planeten spiegeln der erste Atomwaffentest und erst recht die ersten beiden militärischen „open field“ Experimente der Amerikaner über Japan einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte wieder.

Ein entscheidender Wendepunkt, ab dem es zwar kein Zurück mehr gibt, der jedoch hinsichtlich der Gestaltung unseres weiteren Zusammenlebens noch nicht entschieden ist. Dementsprechend sind wir, unsere Eltern und die Eltern unserer Eltern seit Jahrzenten Zeugen eines Entscheidungsprozesses, der trotz des unmittelbar existenziellen Massenvernichtungsrisikos immer wieder droht, tabuisiert im gesamtgesellschaftlichen Diskurs, unterzugehen. Ich werde bei jeder Möglichkeit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diesen maximal existenziellen Entscheidungsprozess richten und daran erinnern, dass genau hier und jetzt entschieden wird – entweder durch uns oder über uns hinweg –  welchen Weg die Menschheit nach dem Öffnen dieser Büchse der Pandora bestreiten wird.

Zweitens: Ich bin gegenwärtig ein Arzt in Ausbildung. Dieser Beruf ist per se untrennbar vom Begriff der Verantwortung, wobei diese etliche Formen annimmt. Der wohl wichtigste Ausdruck dieser Verantwortung findet sich im politischen Engagement für soziopolitische Prävention auf allen Ebenen menschlichen Wirkens und Werdens in dieser einen, unseren Welt. Eingedenk dessen gibt es für mich kein Übel, kein Leiden auf dieser Welt, das in Anbetracht seiner schieren Unermesslichkeit einen höheren Stellenwert in meinen professionellen Prioritäten haben könnte als das (Un-)Glücksspiel des nuklearen Armageddons.

Drittens: Atomwaffen repräsentieren für mich den schrecklichen Knotenpunkt aller größeren Diskurse rund um globale Gerechtigkeit, Sicherheit, Umwelt, Wirtschaft etc. Ich als politisches Wesen in sozialer Verantwortung wirke darauf hin, diesen Knoten ein für alle Male zu lösen und glaube nicht an Status Quo der Abschreckung. Keiner sollte sich abschrecken lassen, wir alle hängen mit drin, zusammen werden wir das Maschenwerk dieser Orwell’sche „Sicherheitsarchitektur“ Stück für Stück, Knoten für Knoten authentisch umstricken, furchtlos benennen, endlich entlarven.

Warum bist du bei ICAN/IPPNW aktiv?

Das erste Mal bin ich im Rahmen des russisch-ukrainischen Krieges mit diesen Organisationen in Kontakt gekommen. Damals befand ich mich noch in der „agitiert“ heißen Phase der Konsolidierung als unabhängiges Individuum und politisches Wesen. In der Pluralität der IPPNW durfte ich das Potenzial von gewaltfreiem zivilem Ungehorsam als probates politisches Mittel kennenlernen und praktiziere diesen seit jeher mit großer Leidenschaft, Scharfsinn und einem kühlen Kopf.

Was bedeutet Büchel für dich?

Büchel ist für mich Grundausdruck ebendieser primordialen Pluralität innerhalb der IPPNW, auf der ganze zivile Ungehorsam fußt. Es ist ein Ort von Austausch, Inspiration und konkretem politischen Handeln an Ort und Stelle.

Wie sieht dein Engagement für nukleare Abrüstung vor und nach Büchel aus? Wie bist du aktiv?

Seit meiner ersten Büchelfahrt habe ich zusammen mit meinen lokalen Mitstreitern in Homburg die Aktivität unserer Lokalgruppe stark erweitert und seitdem viele Hemmungen vor politischen Aktionen verloren und stehe resolut vor jedem Gericht dieser Welt für die Konsequenzen ein – in dem Wissen, dass ich nicht allein bin.